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Eigene Gedichte: Wörter aufgefädelt

alle Bilder im gleichen Format 21x15
pro Bild 20.-€
1
Unsere liebe Frau
von der Eibenhardt
schickt die Lahnwasser
hinüber zum Weißen Stein:
erwache
suche die Eiben
 

Wegespuren 038
2
Im Weidengarten
sitzt die Flechterin
Ruten und Körbe zur Hand
für wen?

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3
Sibylle
deinen clevischen Brautkranz
malte dir Lucas
aus doppelt gewundenem Bittersüß
ins blonde Haar.
Wehrte er dem „sweren muot“?
 
Lucas Cranach d.Ä. malte 1526 Sibylle
von Cleve als Braut des Kurprinzen
von Sachsen Johann Friedrich mit dem Brautkranz aus Bittersüß solanum
dulcamara Heilkraut gegen Melancholie

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4
„Soweit der Erdkreis reicht“
lautet die Inschrift
auf dem Johanniterkreuz des Fürsten
Johann Moritz gestaltete seinen Erdkreis
schön und auch gut
seine clevischen Gärten zeugen davon
und neue Gärten in Kleves Umkreis
tun das auch, Brasilianer!
 
Johann Moritz von Nassau-Siegen
1604-1679
Statthalter des Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm und niederländischer
Generalgouverneur von „Kleve bis
Brasilien“

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5
Turmlukenblick
über Gartenfluren
Kirchgärten
grüne Trittsteine
für „der Welten Arzenei“
Lebensgärten
 
Zitat nach: H.v.Lauffenberg 1460

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6
Ernst dein Steingesicht, hessische Barbara
Tochter des Großmütigen
im „Thal der Heiligen Maria zu Netze“
neben dem Waldeckschen Daniel
noch zwanzig Jahre blieben dir
letzte Gräfin zu Waldeck
Jahrhunderte später
in der Grabkapelle Netze
schaust du noch immer
sehr ernst deine Gäste an
hessische Barbara, warum?
 
Barbara v. Hessen, Tochter von Philipp
dem Großmütigen, starb 1597 zwanzig Jahre nach ihrem Mann Daniel, dem Grafen von Waldeck. Beide liegen in der Grabkapelle Netze begraben mit Grabplatte und Epithaph

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7
Wilhelm
Erster Sohn des Großmütigen
halfst deinen Vater befreien
mit drei Brüdern
und sieben Margaretenbrüdern
solltest du für Hesen und Waldeck sorgen
schwierig-sogar für den Schöngeistigen
Gelehrten Familienbewußten Weitsichtigen
für Wilhelm den Weisen
Pfleger der Wälder
Erbauer von Schlössern von Bibliotheken
spieltest mit Zahlen
erfandest den Himmelsglobus
und holtest als erster Kartoffeln ins Land
wusstest sie auch zu genießen
wie aber
kamst du mit deinen Schwestern aus
 
Landraf Wilhelm IV von Hessen-Kassel
erster Sohn von Philipp dem Großmütigen
1532-1592

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8
Wallfahren zu Mariens Kirche
vom Zwiefach-Wappen geleitet
den Taufstein grüßend
durchschreiten wir die Sternentür
mit der Rose des Kirchhofs
Mariens Frauen gedenkend
unseren Müttern der Nacht
Ännchen Schnabel Katharina Lips Maria Wolf
reichen ihnen die Blume des Lichts:
Verzeiht !

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9
Denk ich an euch in der Nacht
meine älteren Mütter
wie hättet ihr leben können?
Angekettet im Hexenturm
ohne Liebe und Heimat
später
krank arm allein
die Männer sterben früh
milde Gaben selten und bitter
die Kinder unter fremder „Herrschaft“
der Tod kommt bald
dein Holzkreuz mit den Herzen
wird noch heute auf dem Friedhof verwahrt
o ihr älteren Mütter der Nacht
verzeiht den Töchtern des Tages

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10
Brauner schwarzer Purpurbär
Bärenspinner auf der Spur des Schöllkrauts
Pflanze des Lichts
und der lichten Farbe
der wunderbaren Verwandlung

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11
Falter schwebt herein
im blauen Sommermorgenlicht
leuchtender Bläuling
Thymian erwartet dich
Ameise auch

12
Du kamst mit Freude
deine Freundin bei der Hand
die Schönheit der Bilder
forschend auszubreiten
sieh die Rasenbank
mit Veilchen und Glöckchen im Städel
Kirschen über Lilie und Rose
Maria holdselig blätternd im Buch
das Kind ihr zu Füßen
Psalterium spielend
neben der wasserschöpfenden Dorothee
Michael im ernsten Blau des Todes
Seelenwäger Seelenwäscher
erinnernd an die Lauterbachschen Märzenbecher
an Seifenkraut und Distel
ihr habt sie im Auge
Carola Lottlisa
 
(Hommage an Lottlisa Behling und
Carola Runge

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13
Weide am Bach
spricht den Wassern zu
über sieben Steine wirble du
dann wirst du wieder trinkbar sein
lebendig un rein

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14
Ufersäumende Weide
leihst deine Stärke dem Fluß
gibst geheimes Leben
kannst
Schmerz mit Trost verweben

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15
Wo alte Silberweiden stehen
springt ein Rest
feuchter Wildnis
ins Auge
Quellen erinnernd
noch ohne Bild
16
Lichtbaum Weide
 
Spielst mit dem Licht
im Seidenhaarglanz
lichtdurchsprüht
forderst du deine grünen Zweige
zum Wandern auf
Licht zu fangen
 
noch ohne Bild
17
Steinkauz und Grauschnäpper
Kleinspecht und Feldsperling
und auch der Rote Gartenschwanz
suchen die zottigen
Weidenplätze
noch ohne Bild
18
Eberesche
Schwarzer Holunder
Bittersüß
„Orchideen des Windes“
auf dem Windhauch segelnd
findet ihr euer Weidenhaus
aufsitzend im Geäst
 
noch ohne Bild
19
Wenn ich sehe die Himmel
deiner Finger Werk
den Mond und die Sterne
die du bereitet hast    (Psalm 8,37)
Erdteilvebindende
Sukkot-Sterne

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20
Weide in Babel und anderswo
Myrte im schönen Gedicht
Palme weltweit sich wiegend
unter der Sternenkuppel
süße Frucht im Laubschatten
auf dem sandigen Pfad zum Ziel
licht soll der Abend sein

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21
Sternenkuppel
der Synagoge
Sternenblick
durch
das
Laubhüttendach
komm herein

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22
Weide flüstert im Wind
wo bleibt das himmlische Kind
den schmerzstillenden Bogen zu winden
den dauernden Kranz zu binden
geschmückt mit dem Trost
Turmalin

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23
Blauregen
schönes Blau
an den Küsten des Lichts
Euböa

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24
Was das Rote Waldvögelein
in den Schwarzen Beeren
in den Brüchern
im Burgwald
singen mag?

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25
Was soll ich sagen
über Stirnhelle und Brüchern
Flockengras in den Franzosenwiesen
über den Gesang des Waldvögleins und seiner Farbe
Quellwasser werden in Blumen gefasst
vergeblich
Eiben gesucht
umsonst
o armer Burgwald
Gegenwart Vergangenheit Zukunft
vermischte zeitgleiche Zeit
vor unseren schläfrigen Augen
doch Farben und Klänge
vermischen sich suftend
machen Zeitwanderer kenntlich
im armen reichen Burgwald

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26
Eiche mein Klagbaum
ich klage den Galläpfelchen
schwarz
beschreibe mich
Eiche mein Klagbaum
härtest im Wasser
Venedig trägst du noch immer
trägst du auch mich
trag ich dich
Eiche mein Klagbaum

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27
Runen
Buchstaben
genannt nach ihrem Hauptstrich
dem Stab
Buchenstäbe
frühe Lesezeichen
im Buch

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28
„Allmählich reiften die Bucheckern“
begann mein
Schulaufaatz 1944
Überlebenskunst
Eckernöl

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29
Buchdrucker
Fraßgänge in Schönheit
ein geduldiges Buchenbild

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30
Beeren der Reife und Süße
voll Säure und Bitternis
Beeren des Heils und des Todes
Beeren
lächelndes Leben
Beeren

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31
Eberesche
schöner Baum mit der glatten Rinde
trägst das Licht in der grünen Krone
Lebensraft in der Wurzeltiefe
rote Frucht in gebündelten Strahlen
in der Kehle des jauchzenden Vogels
noch ohne Bild
32
Eberesche abermals
Küchenwürze
schmeckt auch Fuchs und Dachs
Seidenfarbe
färbt auch Feld und Wald
Aberesche
trägt die Welt
das Leben
noch ohne Bild
33
In den Jahresringen der Aberesche                          
buchstabieren wir Nachrichten von langer Hand
Sorbus aucuparia – Liebling der Vögel-
-Herr Heinrich saß am Vogelherd-
Queckenbeere für das schwirende Volk
Holz für die Wiege des Kindes
für das Weberschiffchen
Zweig für den Rauch des Herdfeuers
für den Schutz der Tür
noch ohne Bild
34
Druidischer Zauberstab
Donars Gewitterzweig
Heidruns Futter
Thors Schutzholz
Eberesche Yggdrasil
Esche des Nordens
Vogelbeerstock
für den Wandrer in finsterer Nacht
noch ohne Bild
35
Esche des Nordens
Aberesche
Odin verweilte in dir
schwarze Tage und Nächte
mit seinen Raben
Huin und Mugin
Denken Erinnern
in Runen gefasst
wer weiß
noch ohne Bild
36
Bastflötenholz vom Huppenbeerbaum
Ziegen und Schafe schmecken deine Blätter
hören dein Lied in den roten Beeren
Ebereschenholz
schützender Stab
starkes Amulett

 

noch ohne Bild
37
Der Kranz
aus Ebereschenzweigen
zu Pfingsten am Fenster
belebend und heilend
roter Beerenkranz im frühen Herbst
bewahrt die Wärme des Sommers
wehrt Blitz und allem Übel

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38
Ahorn
harthell und warm
klingendes Holz
sanftes Rauchwerk
süßer Duft und frisches Laub
leuchtender Herbst
in der Blätterhand
die Flügelfrucht

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39
Feldahornkugel aus der Maserknolle
von des Meisters Hand gerundet
zum Gedächtnis des Dessauers Parks
 
Hommage an Jürgen Ludwig

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40
Engelsköpfchenbaum
mit kreiselnden Samenflügeln
versprichst du die Süße des Sommers
sonnengespeichert fürs nächste Jahr
bevor du wieder ergrünst
Zuckerahorn

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40
Glänzendbraune Kastanie
Wegbegleiter des Menschen
von der Hand umschlossen
in der Tasche ruhend
die Laubhütte schmückend
bei Sukkot
der „Zeit unserer Freude“
 
/für Heimgard)

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41
Glückliche Stunde in Ludwigslust
linden-angelikageschmückt
mit schattigen Alleen an hellen Wassern
unter den Augen der vielen alten Bäume
musikumweht

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42
Die unter der grünen Linde saß
immer in fernen Gedanken
der Duftwolke folgend
erahnt sie die schon Gegangenen
im blinkenden Sonnenlicht

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43
Breitkroniger Baum
mit der schenkenden Geste
lang willkommner Gast
geneigt dem Blute des Menschen
heilsam umhüllend
nährend und färbend
warm in dunkler Kühle

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44
Hochwachsende Blütenkerzen
fallende glänzende Früchte
Freude der Kinder

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46
Seidige Bläue des Himmels am Abend
sehnsuchtsvoll traurig und hoffend zugleich
trägt die Kastanie das weite Gewölbe

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47
Maronen zum essen
die Kätzchen zum färben
Kastanie
edel genannt

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48
Tanzender Baumengel
den Himmel
kalligrafierend

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49
Bäume kalligrafieren den Himmel
schönschreibendes Geäst
Blätterzier
mit langen Strichen zur Erde
fürchte dich
wenn sie fehlen

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50
Ein Kranz aus Bäumen
umgibt die Mühle
Ahorn und Birke
Erle und Eiche
Holler, Pappel
und auch das Mehlsäckchen Müllerbrot
Sorbus aria
ein Kranz aus den Zweigen
der Mühlbäume
hängt an der tür
Brücker Mühle

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51
Suchender im Wort
Was sind Erklärungen
Hoffnungen
untaugliches Vorbildsein
die Erde wird nicht vom Menschen erlöst
aber
du bringst das Heu in die Scheune
der kranken Bäurin
und wendest die Pfanne
für Martha im Rollstuhl
poijke
 

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52
Sieben mal sieben
siebengescheit
sieben klingende Töne und sieben Glocken
siebenfältiges Wort an den sieben Tagen der Woche
mit den sieben einsamen Nächten
sieben Gleichnisse von Gottes Reich
mit siebenfältiger Frucht sieben Brote
und Brocken in sieben Körben
sieben fressende Ähren und Kühe in
sieben fetten und mageren Jahren
saufen sie die sieben Zornschalen
der sieben Erzengel leer?
Aus den sieben Weltmeeren
steigt der siebenköpfige Drache
mit der siebenfältig gedrehten Schnur
erblickt im Siebenstromland
die Pleijaden, das Siebengestirn
die sieben zeitansagenden Atlastöchter!
Kannst du die Bande des Siebengestirns
zusammenbinden
wurde einst Hiob gefragt
kannst du die sieben Rosen vom Strauch
und die Blume Siebenstern
zum siebenarmigen Leuchter bringen
das siebenflammige Feuer entfachen
und den siebenfarbigen Regenbogen spannen
vom Siebengebirge zu den sieben Hügeln Roms
zum siebentorigen Theben bis zu den sieben Toren des Paradiesgartens?
Hole die sieben Geißlein
wecke die sieben Weisen
die sieben Brüder
die sieben Schwaben
die sieben Zwerge
die Siebenschläfer
und den siebenpunktigen Marienkäfer
denn die sieben Raben raunen
das siebte, das Brach-das Sabbatjahr ist da
die Sklaven werden frei!
Hätt ich sieben Wünsche in meiner Gewalt
der siebte Wunsch wär bei dir zu sein
nun entzünde das siebenmalsiebzig rauchende Kraut
und eile in Siebenmeilenstiefeln herbei
das Buch mit den sieben Siegeln zu lösen!
Bei den sieben Leben der Katze
sammle deine sieben Sachen
spring über die sieben wasserreinigenden Steine
geh über die sieben Brücken
zu den sieben Weltwundern
bring deine sieben Chakren zum leuchten
damit du der geschärften Waffe, der Sieben, dem Zajin, entgehst,
du nicht siebenfältig gerächt
sondern dir siebenundsiebzigmal vergeben
wird
siebenfältiges Glück soll dir zufallen
aus dem Kranz der sieben Glückseligkeiten
und am siebten Tag kannst du ruhen
denn der siebte Himmel ist der Ort
der letzten Verklärung im Blau

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53
Dreimaldrei ist neune
du weißt ja wie ichs meine
ach du grüne Neune
dreimaldreißig starkes Kraut
ist Neunkräutersegen
bind mit Neunerlei Kraut den Wisch
schneid die harten Hölzer
von der Neunerlei Hecke
häng sie um den Hals für die „Kleinen Leute“
winde mit neunerlei Blum
den Kranz für Johannes
würz neunmalklug die Lebküchlein
koste am grünen Donnerstag
neunerlei Kräuter
und färb jedes neunte Ei
 
„Kleine Leute“= Kopfschmerzen

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54
Lebendes Farbband des Sonnenlichts
Kürbis
allen Steinen vergleichbar
Wassermelonenturmalin
Melonenduft grün
„in den Schattentälern der Nacht“
 
Zitat aus Ovid, Metamorphosen

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55
„Öl für Ägyptens samtige Haut“
Wohlgeschmack und klingende Schale
Farben für lichthungrige Augen
vielgestaltiger Kürbis
dem Turmalin verwandt

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56
Ritz deine Zeichen
in den wachsenden Kürbis
mitwachsend
zeigen sie dein Lebensmuster
 
Verwahr die Melone
bis zur längsten Nacht
der persischen Feier des Lebens
Schab jalda

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57
Duftspur des Salbeis
findet zur grünen Walnußhülle
ihr gemeinsamer Duftkreis
umschließt den Samen
der heilenden Distel Mariens
Nußpfefferwürze

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58
Komm herein
tritt durchs Weidentor
taste das lichte Geflecht
folge dem Flüstern der Weide
dem wehenden Seidenflaumglanz
durch labyrinthene Weidenpfade
zur Weidenhöhle
dort wartet der Weidenengel
mit Hungerrose und Wirbelzopf
Bittersüß schulternd

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59
Labyrinthgedanken
dem rollenden Garnknäul nach
mühsam dem Ziele zu
entwirren sich
Gedankengeflechte
zum neuen Anfang
dem Lichtstrahl
folgend?

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60
Mit Färbekräutern
den Farbenkreis binden
mit Kreuzdornbeeren
grün und rotem Krapp
die Sonne umtanzen
bis Auroras Aura erglänzt
 
61
Du kriechst du gehst du eilst
du läufst du rennst fliegenden Atems
aus der Zeit, aus der
drehenden Spirale geschleudert
oder angekommen
in der Rose des Labyrinths?
 
Labyrinth in Chartre,
12.Jh.
Frankreich

 


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62
Graslabyrinthe
Labyrinthe
in Feldern in Gärten
in Weiden und Hecken
Steinkreis mit Stolperstein
Erdpfad in Rosen und Mais
Frauenlabyrinthe von langer Hand
mit wehenden Tüchern
müssen genau
ertanzt werden

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63
Tänzerin im Labyrinth der blauen Blumen
setzt tanzenden Fußes
die blauen Steine
dem schwingenden Kosmos gleichend

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64
Blaue Steine Blumen des Himmels
im Pflanzenkleid der Erde
blaue Achate zeichnen Geschichten
spielen mit blaufarbnen Tönen
zum heilen malen fröhlich sein
Almadin Amethysr und Aquamarin
blauer Saphir Zirkon und Topas blau
nachtblauer Sodalith
Chalzedon schimmernd mit Heliotrop
Lapis Opal Labrador
Turmalin sendet von all seinen Farben
das Blaulicht für die Blaue Stunde
den labyrinthenen Steinkreis zu schließen
Blaues Lapidarium
in der Sphäre des Blauen Planeten

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65
In immer neuen Kreisen
den Weg beginnen
helfen Echolot
lichte Gedanken?
„Wisse die Wege“ sagt Hildegard
und
„Wie sicher manche ihres Weges sind“
sagt Elke zum Milan
der gegen den Wind fliegt
ja wisse die Wege

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66
Louisen-Arkaden
Mariannenweg
wer könnte den Weg verfehlen
der euer gedenkt?
In Augustas Allee
ist Hölderlins Stimme zu hören
über ihren „Gärten,
den dichtrischen, immergrünen“,
sah er den Winterhimmel glänzen
in Homburg vor der Höhe
für alle Homburger Frauen
bis heute

          


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67
Steg und Steig
erspüren die Richtung
Pfade zum Ziel
in immer engeren Kurven
.
Alle Wege führen nach Rom
eis tan polis
Istanbul
Reise nach Jerusalem
Himmelfahrtsausflug
zum Heiligen Berg
 
zeigt sich Lebenssinn?
 

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68
Sehenden Auges blind sein
ohne die Sehkunst des Blinden
hörender Ohren taub sein
ohne die Macht der Gebärde
redenden Mundes stumm sein
ohne Verständnis im Schweigen
wie könnt ich den Engel erkennen

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69
Der weiße Rosenengel
mit der Rose des Lebens
im Angesicht des Todes

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70
Im Lesesaal der Windgeister
flüstern Lahnwasser und Sommerwind
in papierenen Nachrichten
wehn Kunde vom Menschen
der Windsbraut zu
schwarzweiße Spuren
auf Fasern der liebenden Pflanzen
nimmt sie mit dahin
weht der Geist nicht wo er will?
Wer unter den Sterblichen
kann Windgeister lesen?

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71
Ob Lahn ob Sieg ob Eder
Wingeister begleiten die Wasser
fächeln der Windsbraut zu
mit dem langfädrigen Flachs
am Edersee
an der Sieg
am Weßen Stein der Lahn

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72
Muschelwege zeigen sich
leiten summend

  zu Tor und Tür

   dorthin

   wo ich sein soll

   heute morgen immer



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73
Balkon an der Lahn
hinter schmiedeeisernemZaun
über dem Ufer der Lahn
der alte Weinstock
der Hopfen
Efeu steigt empor
Kirschblüte schwebt
überm Kräuterbeet des Balkons an der Lahn
Hummeln fanden das wohnlich
sehr viele
nur schwer überzeugte sie räuchernde Myrrhe
zum Umziehn
doch die Ente brütet ihre Eier
zwischen den Kräutern aus
kopfüber folgen die Jungen
ihrem Lockruf zur Lahn
und das wunderbar schlanke
wippende langschwänzige
schwarzgelbe Schafstelzenpärchen
nistet im hängenden Blumentopf
auf dem Balkon an der Lahn

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74
Millemerk
steiniger Hang über sandigem Pfad
die Mühle im Tal
Millemerk
in der Ferne die Kette blauender Wälder
Roda
Weidegründe des Adels
Herrensaustall
Luchse
mühsamziehn Kuh und Rind den Pflug
Steine lesen
schüttere Wiesen mähen
Kartoffeln roden die das Wild vergaß
Futterrüben ziehen
mühsam der Heimweg
die Tiere saufen in der Bach
winters muß das Holzfällen
den Hunger überlisten
oder
man geht zu den Amerikafahrern

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75
Laßt uns jetzt in den Winkel gehen
nach dem Rechten sehen
der Wilde Mann
hält das Haus noch fest
wenn auch ohne
Hilfe des Apfelbaums
doch was geschah
mit der langen Wiese
hinter dem alten Haus im Winkel?

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76
Grauäugiger Chatte im schwarzrn Haar
Römer oder keltischen Blutes?
Sie siedelten gern bei den blonden Hessen
Alles Liebe freundliches Land
nimmt Wanderer auf
lässt sie auch ziehn
bewahrt
blind
alle Spuren
für immer

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77
Schönes Bild
im Rahmen der Brüder
Töchterchen
der Anblick der Mutter
lehrt Selbständigkeit
auch im Gemeinsamsein
verläßlche Hilfe für alle
Familien der Freundschaft
klug und schön von altersher
wie alle Töchter
der väterlichen Sippe
sagt Mortlis

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78
Schlanke langgliedrige Finger
der unbeschreiblich schönen
schmalen Hände
zu Herzen gehend
in zögernder Geste
vorsichtig fürsorglich bizarr
deine Hände

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79
Lieb Kind hat viele Namen?
Verstand!
Die Güter des Lebens
werden nicht gebraucht
doch Hilfe und Freundschaft
jedem gegeben
bei Tag und bei Nacht
Großmeister
in dem alle Maschinen
ihren Herrn erkennen

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80
Alles schien ihm zuzufallen
Schule Studium Leben
ohne ihn war nicgts dasselbe
auch nicht das gleiche
und doch waren da
Zweifel
tiefe gerbte Nachdenklichkeiten
das Leben betreffend
sollte es sich weiterranken?
Selbst er scheint es nicht zu wissen

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81
Jakobs lange Bank
 
In Jakobs einziger Stube
im Haus mit dem Wilden Mann
lebte dachte schlief er.
Auf breiten knarrenden Dielen
stand zwischen Bett und Tisch
entlang der Wand
die lange Bank
 
Auf der langen Bank
saßen oft Gäste
Mitglieder der „Freundschaft“
der verzweigten Verwandtschaft
vor allem aber wir, seine Nichten und Neffen
 
„Schiebs auf die lange Bank“
so hörten wir
so taten wir
dort war alles gut aufgehoben
fand sich alles wieder
Ich sollte auch
eine lange Bank
in meiner Stube haben

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82
Das Land der Wörter suchen
wo Wörter kein Mangel sind
einsprachig eindeutig einleuchtend
jedem verstehbar
mit dem ersehnten i-Tüpfelchen
nicht zu findendes Niemandsland

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83
Wörter
aufgefädelt
Lichtkalligrafie
auf dem Schattenpfad
schwarzweiße Fäden im Lebensbuch

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84
Griffel gräbt grüne Gräben
in die tönerne Tafel
Licht durchleuchtet den Lehm

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85
Papa Erdäpfelchen
zählst zu den fünf Großen
zu Tee Zucker Chinarinde
zur endlosen Baumwolle
sie veränderten die Welt
du auch
auf nachtschattigen Wegen
bei arm und reich
warfst du dein Netz über die Erde
selbst der Planet wurde dein Ebenbild

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86
Schweifende Schatten
aus den Tälern der Nacht
Nachtfalter erflügeln die Botschaft
der nachtschattigen Pflanzen
Totenkopf träumt
auf grünen Kartoffelbeeren
nachtschattiges Wissen
vom Ruhn in der Erde
in brauner Kartoffelerde
bis zum Erwachen in neuer Gestalt
Nachtschatten

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87
„Emil leebte schuu
Emil lebte schon im dritten Jahr ohne große Sorge
im dreate Joar uune grißare Sorje un Nuutgroat suu daif wäih Schuch laang eas
und Not grad so tief wie ein Schuh lang ist
inam Gadofelsdreach i saim Möiseloch am Saibisch
unterm Kartoffelstrauch in seinem Mäuseloch am Saibisch (Flurname).
In der kraftvollen Mundart des Hinterlands
hat er sich eingenistet, der Gadofelsdreach
samt allen die ihn lieben wie Emil der
Mäuserich.
Hommage an Kurt Werner Sänger
Stille raue Worte aus dem Hinterland.
Jonas-Verlag Marburg 1987

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88
Köstliche Weichheit in gerösteter Schale
Kartoffel Patata Tartuffoli
brennendes Kraut
verkohlende Strünke
Funken erleuchten den dunkelnden Himmel
die Mondsichel trägt den Duft nach Haus
nachtschattig in die peruanischen Anden
auch zu uns
Erdbirn Erdäpfelchen

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89
Morgen gehen wir in die Kartoffeln
zu roden wird’s Zeit
zum Steinlesen auch
mühvolles Bücken
werden Korb und Sack sich füllen
Lebenssicherheit geben?
Das Flurfeuer am Ende des Tagwerks
spricht von Hoffnung
die geröstete Knolle schmeckt gut

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90
Vielgestaltig Schöne
von langer Hand
menschenfreundliche Weltbürgerin
zu freundlich?
Viele deiner Sippe sind schon dahin
papa tartuffoli
unter dem Gen-Messer
sollst du Fruktan-Kartoffel werden
ein neues Wesen
auch jetzt noch
dem Menschen zugeneigt?

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91
Vieläugige
Vielnablige
in rauer Schale
aufkeimend
grün mit weiß violett und blau
buchstabierst du
solaninbewehrt
die Farbe zukünftigen
heilenden Reichtums
Kartoffel

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92
Kastanie reicht die Himmelsbläue
herab zum meerblauen Stein
heilende Kraft durchweht nun die Lüfte
bis zum schimmernden See
Aquamarin
 
Kastanien-Aquamarin-Meditation

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Alle Bilder sind auch als Fotos in verschiedenen Formaten erhältlich.
Alle Texte sind auch in Buchform erhältlich (5.-€)

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Bestimmte Themengedichte wie z,B. Kartoffeln, Schmetterlinge, Wege, Labyrinthe… gehören auch zu den von Irmgard Bott für den ADK (Arbeitskreis Dörfliche Kultur e.V.) gestalteten ausleihbaren Themenausstellungen, vgl.: homepage
www.adk-verein.de und
www.parkpflegewerk.de
info@adk-verein.de